Breitenfussball
17.12.2025

«Trainerinnen werden sichtbarer und es werden kontinuierlich mehr»

Noch nie so viele Trainerinnen

Im Schweizer Frauenfussball bewegt sich etwas Grundlegendes: Noch nie haben so viele Frauen eine Trainerausbildung abgeschlossen wie im Jahr 2025. Ob Einsteigerinnen-, C-Basic-, UEFA-C- und B-Diplome, in allen Bereichen steigen die Zahlen kontinuierlich an. Ein Zwischen-Erfolg, der eng verknüpft ist mit dem zusätzlichen Kursangebot ausschliesslich für Frauen und dem starken Engagement der Regionalverbände und der Sportämter für das schweizweite Legacy-Programm «Here to stay».

Interview

Die Zahlen sind eindeutig: 2025 wurden so viele Trainerinnen ausgebildet wie noch nie. Was fällt besonders auf?

Phyllis Bussinger: «Die Dynamik. Wir sehen nicht nur einen Anstieg, sondern ein konstantes Wachstum über alle Ausbildungsstufen hinweg. Bei den Einsteigerinnen haben wir innerhalb von drei Jahren einen Sprung von 371 (2022) auf 775 (2025) gemacht. Das ist mehr als eine Verdoppelung. Beim C-Basic hat sich die Zahl der Trainerinnen innert drei Jahren mehr als verdreifacht von 95 (2022) auf 314 (2025). Und selbst im anspruchsvolleren Bereich, bei UEFA C und UEFA B, steigen die Zahlen deutlich. Das ist ein klares Signal: Immer mehr Frauen wollen Verantwortung übernehmen, Teams führen und Kinder sowie Jugendliche begleiten.»

Was hat diese Entwicklung ausgelöst?

Phyllis Bussinger: «Ein entscheidende Faktor waren die Kurse für Frauen. Sie schaffen einen Raum, der auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist: sicher, motivierend, verbindend und nahbar. 2025 wurden beispielsweise 80 % aller C-Basic-Trainerinnen in solchen Frauenangeboten ausgebildet. Dieser geschützte Rahmen senkt Hürden, erhöht die Zahl der Teilnehmerinnen und stärkt gleichzeitig das Vertrauen der Trainerinnen in ihre eigene Rolle.«

Viele Vereine stehen vor der Herausforderung, genügend Trainerinnen und Trainer für den steigenden Mädchenfussball zu finden. Wie helfen die neuen Zahlen?

Phyllis Bussinger: «Die Vereine können den Andrang besser auffangen. Mehr Mädchen spielen Fussball als je zuvor und sie brauchen Vorbilder. Frauen, die ihnen zeigen: Du kannst das. Du darfst das. Du gehörst hierhin. Jede neu ausgebildete Trainerin wirkt über ihren Verein hinaus. Sie verändert die Kultur und leistet einen Beitrag hin zu mehr Diversität, Sichtbarkeit und Chancengleichheit.»

Welche Rolle spielt dabei die SFV-Legacy «Here to stay»?

Phyllis Bussinger: «Eine zentrale. Ohne die wertvolle Legacy-Arbeit in den Regionen, gezielten Investitionen in Frauenkurse und in die Trainerinnenförderung stünden wir heute nicht hier. «Here to stay» schafft Strukturen, die bleiben: Kursformate, Netzwerke, Zugänge und Perspektiven. Und es zeigt Wirkung, sei es in den Zahlen oder in der Atmosphäre auf den Plätzen.»

Zum Abschluss: Was bedeutet dieser Entwicklungsschub aus Ihrer Sicht für die Zukunft?

Phyllis Bussinger: «Er bedeutet, dass der Schweizer Frauenfussball auf einer stabileren, breiteren Basis wächst. Trainerinnen sind zentrale Role Models für die nächste Generation. Wir brauchen mehr Frauen, die Teams führen, Verantwortung übernehmen und den Frauenfussball prägen. Das Wachstum der letzten Jahre zeigt, wie viel Potenzial vorhanden ist und wie wichtig es ist, gezielt in die Ausbildung und Sichtbarkeit von Trainerinnen zu investieren. Davon profitieren die Vereine, die Talente und der gesamte Schweizer Fussball.»

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