Elitefussball
25.09.2026

Perform for Her: Wie das Umfeld mitspielt

Gesundheit und Leistungsfähigkeit

Zwei Kreuzbandrisse, zwei lange Rehabilitationsphasen: Malaurie Granges weiss, wie entscheidend die richtige Betreuung für eine Fussballerin sein kann. Beim Auftakt von «Perform for Her» in Magglingen brachte die Stürmerin der BSC YB Frauen an der Seite von Luana Bühler vom FC Zürich ihre Erfahrungen ein. Gemeinsam mit allen Vereinen der AXA Women’s Super League (AWSL) und dem Bundesamt für Sport (BASPO) will der Schweizerische Fussballverband (SFV) die Verletzungsprävention und Spielerinnengesundheit im Schweizer Frauenfussball systematisch stärken.

Zwei Verletzungen, eine wichtige Erfahrung

Als Malaurie Granges 2023 einen Kreuzbandriss erlitt, führte sie ihr Weg während der Rehabilitation zurück nach Magglingen. Dort erhielt die Stürmerin der BSC YB Frauen im Rahmen der Spitzensport-RS Unterstützung auf ihrem Weg zurück auf den Fussballplatz.

Rund ein Jahr später folgte der nächste Rückschlag: Mitten in ihrem ersten Comeback-Einsatz riss das Kreuzband erneut. Wieder kehrte Granges während der Rehabilitation nach Magglingen zurück.

Die Unterstützung, die sie dort erhielt, habe beide Male den Unterschied gemacht, erzählte die 24-Jährige beim Auftakt von «Perform for Her» am 17. September 2026. Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass nicht alle Spielerinnen Zugang zu denselben Möglichkeiten haben.

Ihre Botschaft an die anwesenden Vereine war deshalb klar: Jede Spielerin sollte wissen, wo sie sich im Ernstfall Hilfe holen kann und wer für ihre Betreuung verantwortlich ist. An diesem Punkt kommt «Perform for Her» ins Spiel. 

Gesundheit als gemeinsame Aufgabe

«Perform for Her» geht den Fragen nach: Wie lassen sich Verletzungsrisiken frühzeitig erkennen? Wie können Trainingsbelastung, Regeneration und medizinische Betreuung besser aufeinander abgestimmt werden? Und wie stellen Vereine sicher, dass Spielerinnen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen?

Der SFV will diese und ähnliche Fragen gemeinsam mit den Vereinen der AXA Women’s Super League systematisch angehen. Das neue Risikomanagement-Programm wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sport (BASPO), der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) und dem Swiss Olympic Medical Center entwickelt.

Im Zentrum steht ein Perspektivenwechsel: Nicht allein die Spielerin trägt Verantwortung für ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Auch Trainerstab, medizinische Betreuung, Athletik, Vereinsmanagement und Verband müssen die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.

Auftakt in Magglingen

Zum Kick-off in Magglingen kamen Vertreterinnen und Vertreter aller AWSL-Vereine zusammen. Nach der Begrüssung durch Markus Tschopp eröffnete Hélène Maystre den fachlichen Austausch mit einer Reflexion und Erkenntnissen aus der Studie «How Much Is Enough?». Ivano Sicuro und William Niederhauser stellten anschliessend die Vision von «Perform for Her» vor. Katrine Okholm Kryger brachte die Perspektive der UEFA ein, während Daniel Birrer den Blick auf die mentale Gesundheit richtete.

Die verschiedenen Beiträge machten deutlich, wie viele Bereiche bei der Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Spielerinnen zusammenspielen. Für das Programm ist deshalb entscheidend, dass die Vereine nicht nur fertige Empfehlungen erhalten, sondern ihre eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse in die Entwicklung einbringen.

Die Perspektive der Spielerinnen

Was hilft einer Spielerin im Trainings- und Spielalltag tatsächlich? Welche Massnahmen erlebt sie als unterstützend - und wo bestehen aus ihrer Sicht noch Lücken?

Diese Fragen standen im Roundtable-Gespräch mit Luana Bühler und Malaurie Granges im Zentrum. Die beiden Spielerinnen brachten ihre Erfahrungen aus der Praxis ein und ergänzten damit die fachlichen Perspektiven.

Ihre Beteiligung ist ein wichtiger Bestandteil des Ansatzes von «Perform for Her»: Massnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung sollen nicht nur für Spielerinnen entwickelt werden, sondern auch mit ihnen.

Gruppenaustausch

Im anschliessenden Gruppenaustausch brachten alle AWSL-Vereine ihre Perspektiven und Bedürfnisse ein. Die Ergebnisse fliessen nun in die Erarbeitung vereinseigener Risikomanagement-Dokumente ein.

Dabei geht es nicht darum, jedem Verein ungeachtet seiner Voraussetzungen dieselben Abläufe vorzugeben. In weiteren Co-Creation-Workshops erarbeiten die Vereine gemeinsam mit dem SFV ihre individuellen Risikoprofile und darauf abgestimmte Massnahmen. Die Erkenntnisse sollen schliesslich in die Swiss Best Practice Guidelines einfliessen.

  • «Unsere Daten zeigen: Jede vierte Spielerin verletzt sich innerhalb eines halben Jahres. Zehn Prozent der betroffenen Spielerinnen haben niemanden, der sie medizinisch betreut. ‹Perform for Her› kann dazu beitragen, diese Lücke zu schliessen.»
    Hélène Maystre Sportwissenschaftlerin Bundesamt für Sport (BASPO)
  • «Verletzungsrisiken sind nie rein körperlich: Auch Stress, Versagensangst und fehlende psychische Erholung spielen eine Rolle. Deshalb muss ein wirksames Risikomanagement die mentale Gesundheit ebenso berücksichtigen wie die körperliche Belastung und Rehabilitation.»
    Daniel Birrer Fachbereichsleiter Sportpsychologie Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen
  • «Wir können von bestehenden Modellen wie jenem in Norwegen lernen. Entscheidend ist aber, dass jeder Verein eine Lösung entwickelt, die zu seiner Realität passt und das auf der Grundlage eines gemeinsamen Verständnisses von Risikomanagement. Auch wir als Verband müssen unseren Teil dazu beitragen, etwa bei der Terminplanung und im Austausch mit Vereinen und Spielerinnen.»
    Ivano Sicuro Mitarbeiter Ressort Talentmanagement

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